Kriegsgräber
Kriegsgräber- und Gedenkstätten auf dem Friedhof der St.-Bartholomaei-Kirchengemeinde
In der Hansestadt Demmin befinden sich heute 8 anerkannte Kriegsgräberstätten, davon 5 auf dem Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde St. Bartholomaei in der Jarmener Straße. Entsprechend dem deutschen Gräbergesetz haben die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ein dauerndes Ruherecht. Die Kriegsgräber dienen als Mahnstätten für den Frieden. „Versöhnung über den Gräbern“ ist das Leitmotiv des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der Demminer Regionalverband unterstützt die Evangelische Kirchengemeinde und die Friedhofsverwaltung bei der Pflege und Sanierung der Kriegsgräberstätten. Die Aufarbeitung vieler Menschenschicksale infolge der Kriege war während der DDR-Zeit der Initiative Einzelner überlassen. In der Demminer Region übernahm der damalige Superintendent und spätere Vertrauenspfarrer für Gräberfürsorge der Pommerschen Evangelischen Kirche, Dr. Herbert Achterberg, die schwere Aufgabe, Kriegsgräberanlagen zu errichten, ihre Pflege zu organisieren und dem Suchdienst entsprechende Zuarbeit zu leisten. Bis zum heutigen Tage werden immer wieder neue Erkenntnisse zu den Kriegstoten gesammelt, so auch zur Grabanlage für die Heimatlosen, die 2024 saniert werden konnte.


Hier liegen nach derzeitigem Kenntnisstand insgesamt 635 anerkannte Kriegsopfer, insbesondere Flüchtlinge, die nach 1945 an unterschiedlichen Krankheiten in Demmin verstarben. Beerdigt wurden sie in 525 Einzelgräbern und einem Sammelgrab mit 110 Toten. Gegenwärtig ist man dabei, anhand der entsprechenden Unterlagen der Friedhofsverwaltung die genaue Zahl der bis 1946 hier bestatteten Kriegstoten zu ermitteln.
Das 45-er Gräberfeld befindet sich an zentraler Stelle auf dem Friedhof.

Hier wurden insbesondere Demminerinnen und Demminer in Einzel- und Sammelgräbern bestattet, die sich im Zusammenhang mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen im April/Mai 1945 in letzter Verzweiflung das Leben nahmen. In der Mitte dieses Platzes steht ein Obelisk. In den oberen Stein ist nach allen 4 Seiten die Jahreszahl 1945 eingemeißelt. Im unteren Teil stehen entsprechend den Himmelsrichtungen die Verse: „Gottes ist der Orient – Gottes ist der Okzident – Nord und Südliches Gelände – ruht im Frieden seiner Hände“. Außerdem verweisen die nach Osten und Norden gerichteten Seiten des Obelisken auf zwei Bibelworte: „Herr Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für“ und „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“. Die Zahl der um diesen Obelisken Bestatteten wird derzeit ebenfalls neu ermittelt. Unterschiedliche Angaben sprechen von über 1.000 Toten. Die Stele wurde 2014 durch den Steinmetzbetrieb Feilhaber aus Jarmen komplett saniert. Metallbauer Günter Söffky aus Drönnewitz erneuerte das bereits stark angerostete große Kugelkreuz auf dem Obelisken. Das Original befindet sich in der Gedenkecke in der St. Bartholomaeikirche.

Auf der Grabanlage Erster Weltkrieg liegen 36 Militärs und 4 russische Kriegsgefangene in 40 Einzelgräbern. Die Anlage wurde 1990/91 wieder hergestellt. Das Kreuz aus schwarz-schwedischem Granit konnte 2014 durch den Steinmetzbetrieb Feilhaber aus Jarmen saniert und die Aufschrift neu grundiert und vergoldet werden.


Auf der Grabanlage Zweiter Weltkrieg befinden sich 80 Einzelgräber. Hier sind 58 Militärs, 1 Schutzpolizist, 1 Zollmeister, 1 Heizer sowie 19 unbekannte Soldaten beerdigt. Die Anlage wurde im August 1997 mit Unterstützung einer THW-Gruppe aus Nordrhein-Westfalen saniert. 2021/22 konnte der Bereich um die Gedenkkreuze durch die Firma Mario Kieckhefel aus Warrenzin mit Natur-Großpflastersteinen befestigt werden sowie zwischen den Gräbern ein neuer Bodenauftrag und die Anpflanzung von Bodendeckern erfolgen.


Auf dem Ausländergräberfeld, das 1999 durch Angehörige der Bundeswehr aus Lauda-Königshofen mit Unterstützung des Volksbundes instandgesetzt wurde, ruhten u.a. Fremdarbeiter aus Osteuropa und ihre Angehörigen, die zwischen 1943 und 1945 ums Leben kamen, in 60 Einzelgräbern. Sie wurden damals außerhalb des offiziellen Friedhofsgeländes bestattet. Zu ihnen gehörten 31 Kinder, 12 Frauen und 16 Männer. Zwischenzeitlich gab es einzelne Exhumierungen und Umbettungen. Von weiteren 3 Opfern ist das Alter nicht bekannt. Unter den Toten befanden sich neben Ukrainern auch Belgier und Deutsche. Darunter ein Volkssturmmann, der am 11. April 1945 -kurz vor dem Ende des Krieges- hingerichtet worden war.


Ein ehemaliges Kindergräberfeld auf dem „neuen“ Friedhofsteil ist nicht offiziell als Kriegsgräberstätte anerkannt. Hier erhebt sich auf einem Sockel ein altes Granitkreuz. Es wird von 2 ebenfalls alten Stelen flankiert. Der Steinsockel trug die Inschrift: „Im Demminer Gottesacker ruhen 400 Kinder als Opfer des Jahres 1945“. Hier wurde nach 1990 durch die Hansestadt und den Volksbund ein zusätzlicher Gedenkstein aufgestellt.

Autor/Fotos: Herr Ernst Wellmer